historisches Blankenstein

                                   Aus der Geschichte Blankensteins
                                                
Ellen Breitenbach
                                                                                                  

  1. Die Burg des Grafen von der Mark

  2. Die „Burg“ des Gustav vom Stein

  3. Die Burgwerkstätten Rauterkus

  4. Abriß der Burggaststätte 1958/59

  5. Die Freyheit Blankenstein

  6. Wege und Straßen

  7. Blankenstein - das Ziel der Großstädter

  8. Stadtmarketing

  9. Der Glanz verblaßt

10. Der Gethmannsche Garten

11. Die Kirmes

12. Das Roswitha-Denkmal

13. Die Roswitha-Sage

 

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Die Burg des Grafen von der Mark.
heutige Ansicht vom Ruhrtal aus
Weithin sichtbar überragt der eckige Turm der Burg das Ruhrtal. Zu seinen Füßen erstreckt sich der Stadtteil Hattingen-Blankenstein, ein kleiner Ort, dessen Schicksal eng mit der Burg verbunden ist.

Wie kam es zum Bau dieser Burg?
Graf Engelbert von Berg, Erzbischof von Köln und Reichsverweser lag um 1220 im Streit mit seinem Neffen Graf Friedrich von Isenberg wegen der Vogtei Essen. Man traf sich 1225 in Soest zu Verhandlungen, die aber ergebnislos verliefen.
Friedrich von Isenberg und gleichgesinnte Adelige versuchten, den Erzbischof auf seiner Rückreise in der Nähe von Gevelsberg gefangen zu nehmen, um Zugeständnisse von ihm zu erpressen. Bei dem sich entspinnenden Kampf wurde dieser tödlich verletzt. Der Isenberger floh. Ein Jahr später spürte man ihn auf und brachte ihn nach Köln. Man flocht ihn aufs Rad und richtete ihn hin. Seine Isenburg bei Hattingen wurde vollständig zerstört.

Sein Vetter, Graf Adolf von Altena, der sich später Graf von der Mark nannte, erhob Anspruch auf das Territorium des Isenbergers und wurde mit einem großen Teil der Besitzungen belehnt. Ab 1227 ließ Graf Adolf von der Mark auf einer Bergkuppe östlich von Hattingen ein „festes Haus“ bauen, um seine Besitzungen von hier aus zu verwalten und zu verteidigen. Zum Schutze der „Burg Blankenstene“ legte man in einiger Entfernung einen zweiten halbkreisförmigen Befestigungsring an. Innerhalb dieses äußeren Schutzwalls entstand eine Siedlung, die „Freyheit Blankenstein“, Keimzelle des späteren Ortes. Im Laufe der folgenden zwei Jahrhunderte wuchs der Bau zu einer imposanten Anlage und war eine der vier Hauptburgen der Grafschaft Mark. Ein maßstabgerechtes Modell von Burg und Freiheit finden sie im Stadtmuseum Hattingen, Marktplatz 1-3, im Ortsteil Blankenstein gelegen.

Die Verwaltung der Burg war einem Drosten übertragen, der auch als Amtmann und Militärführer agierte. Mitte des 17. Jahrhunderts war der bauliche Zustand der Burg desolat. Wechselnde Besetzungen während des 30jährigen Krieges und unterlassene Reparaturen hatten ihre Spuren hinterlassen. Zudem waren solche befestigten Anlagen inzwischen militärisch wertlos geworden. 1662 erfolgte auf Befehl des Großen Kurfürsten der Abriß der Burg. Fachmännische zerlegten Handwerker die einzelnen Gebäude, Alles, was noch zu verwerten war, sollte verkauft werden. Der letzte Drost der Burg, Johann Georg von Syberg, ließ viele Materialien ins Ruhrtal schaffen und erneuerte und erweiterte damit preiswert sein abgebranntes „Haus Kemnade“. Nur der eckige Torturm widersetzte sich, an einer Flanke beschädigt, dem Abbruch.

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Die „Burg“ des Gustav vom Stein.
1860 hatte der gelernte Hammerschmied und Eisenwarenhändler Gustav vom Stein das Burggelände erworben. Er errichtete eine Lüstrierfabrik, in der er Baumwollfäden zu relativ dünnen aber sehr reißfesten Garnen weiterverarbeitete.

Burghof um 1898Die 1865 fertiggestellte Chaussee brachte viele Besucher in den Ort. Die zahlreichen zu erwartenden Ausflügler veranlaßten Gustav vom Stein, bereits 1864 auf alten Fundamenten eine Gaststätte zu bauen, deren Ruine im Süden des Burghofs noch heute vorhanden ist. Der Gastraum in der ersten Etage war als Rittersaal ausgestattet und fand bei den Besuchern großen Anklang. Der Name übertrug sich später auf das ganze Haus. Fälschlicher Weise wird das Gebäude heute oft als „Kapelle“ bezeichnet. Es hat aber nie sakralen Zwecken gedient.
 
Luftbild von 1926Als Anhänger der damaligen Zeitströmung - der Romantik - ließ vom Stein sowohl das Fabrikgebäude (heute Gaststätte) als auch alle weiteren Bauten in burgähnlichem Stil errichten. Kleine und große Türme an und zwischen den Häusern dienten nur der Dekoration. Sein Sohn Gustav jr. setzte das Werk seines Vaters fort. Um 1900 waren alle alten Fundamente der ehemaligen markgräflichen Burg wieder bebaut.Pfingstkonzert - Hattinger Zeitung 01.06.1884 Wie damals umschlossen sie im Halbkreis den Burghof, der als beliebter Biergarten großen Zuspruch fand. Bei gutem Wetter fanden sich hier an Sonn- oder Feiertagen 2000 bis 3000 Gäste ein, um sich an den Klängen einer Militärkapelle zu erfreuen.
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Genügend frisches Wasser war eine wichtige Voraussetzung für die gute Bewirtung so vieler Gäste. 1887 ließ Gustav vom Stein jr. ein eigenes Wasserwerk bauen und versorgte ab 1893 auch die Bewohner des Städtchens mit Wasser. Ab 1912 dehnte er sein Versorgungsnetz auf die Neubauten der Gartenstadt Hüttenau aus. Gesellschaft Harmonie -- Märkische Blätter v. 1876


Mit großem Fleiß und Geschick hatte vom Stein das Burgrestaurant zu einer gastronomischen Anlage ausgebaut, die vor dem 1. Weltkrieg in weitem Umkreis einmalig war. Am 23.09.1922 verkaufte das Ehepaar vom Stein die Burg an die Stadt Bochum, die den Betrieb engagierten Pächtern übertrug.

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Die Burgwerkstätten Rauterkus.
Anfang 1949 pachtete das Ehepaar Dr. Werner und Leni Rauterkus den Turm mit der angrenzenden Ruine der ehemaligen Lüstrierfabrik. In mühevoller Arbeit verwandelten sie den verfallenen Bau in Arbeits-, Ausstellungs- und Wohnräume. Leni Rauterkus zog dort mit ihren „Werkstätten für angewandte Kunst“ ein. Ihr Repertoire reichte von Damenoberbekleidung über Glasmalerei bis zu Gegenständen zur Wohnraumdekoration. Seit 1950 waren die Räume Sitz der „Gesellschaft von Freunden der Burg Blankenstein e.V.“, deren Mitglieder es sich zur Aufgabe gemacht hatten, das Aufbauwerk der Burg ideell und materiell zu unterstützen. Die Werkstätten wurden 1960 geschlossen.

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Abriß der Burggaststätte.
Am 30.09.1957 schloß die Stadt Bochum die Gaststätte und ließ die Gebäude 1958/59 bis auf die Werkstätten Rauterkus abreißen. Bochum war Willens, neue moderne Gaststättengebäude zu errichten. Die Zechenschließungen im Bochumer Raum zwangen die Stadt jedoch zu einem schnellen Strukturwandel, so daß für den Bau einer neuen Gastronomieanlage in Blankenstein die finanziellen Mittel nicht mehr vorhanden waren.

In den ehemaligen Räumen Rauterkus fand man ab 1962 wieder eine kleine Gaststätte. Nach deren Schließung pachtete im Herbst 1979 die Detlef Müller K.G., Bochum, das Burggelände. Nach umfangreicher Renovierung konnte Anfang März 1980 das „Restaurant Burg Blankenstein“ eröffnet werden.

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Die Freyheit Blankenstein.
Aus der kleinen Ansiedlung innerhalb des äußeren Befestigungsrings der Burg, „Freyheit Blankenstein“ genannt, entwickelte sich mit Ausdehnung nach Westen ein kleiner, eng bebauter Ort, der lange Zeit diesen Namen führte. Die Bezeichnung „Freiheit“ blieb als Straßenbezeichnung für den zuerst besiedelten Teil erhalten.

Nach dem Abriß der Burg begann für die Blankensteiner eine düstere Zeit. Kaum war der 30jährige Krieg mit Plünderungen und hohen Kriegssteuern überstanden, mußten sie den Abbruch der Burg und damit das Verschwinden ihres größten Arbeitgebers erdulden. Nur drei Jahre später brach am Pfingstmontag 1665 ein Feuer aus, das fast den ganzen Ort in Schutt und Asche legte. Zu allem Unglück kam auch noch ein Naturereignis hinzu, unter dem alle Menschen der nördlichen Klimazonen schwer gelitten haben: eine kleine Eiszeit, von etwa 1645 bis 1715. Die Einwohnerzahl ging drastisch zurück.

Seilwerke Heinrich PuthDie Bewohner verdienten ihren Lebensunterhalt z. B. als Tuchmacher, Weber, Strumpfstricker, Grobschmiede, Messerschmiede, Schneider, Schuhmacher, Maurer, Bäcker und Händler. Größte Arbeitgeber um 1777 waren die Tuchfabrik Gethmann & Consorten mit 6 Stühlen und 27 Arbeitern und die Messerfabrik Niefind & Consorten, die 9 Arbeiter beschäftigte. 1804 wurden die Halbach-Hämmer an der Ruhr gegründet, und 1848 ist das Gründungsjahr der Firma Seilwerke Heinr. Puth. Halbach-Hämmer von Westen

Maurer und Zimmerleute, die hier keine Beschäftigung fanden, suchten sich auswärts Verdienstmöglichkeiten. In manchen Familien war die Not so groß, daß noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Kinder anstatt in die Schule zur Arbeit in die „Fabriquen-Stuben“ geschickt wurden.



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Wege und Straßen.
So günstig die Lage für eine Burg war, so beschwerlich erwies sich diese für die Bewohner. Die vorhandenen Wege waren noch bis weit ins 18. Jh. hinein eher kümmerlich und überwiegend nur zu Fuß, mit Schubkarren sowie mit Reit- oder Lasttieren zu benutzen.
Eine fahrbare Wegeverbindung über die heutige Bergstraße nach Hattingen gab es bereits, die aber wegen schlechter Instandhaltung häufig nicht passierbar war. Das Hammertal erreichte man mit einem Fuhrwerk über die erst 1778 angelegte Straße durch den heutigen Röhrkenweg und den steilen Weg den Katzenstein hinunter bis zum Steinenhaus.

Denkmal  Pilgrims Höh - 1996 vom HVB gesäubertAuf Drängen des Kommerzienrats C. F. Gethmann, der in dem neuen Landrat Gisbert Pilgrim endlich für seine Straßenbaupläne Unterstützung fand, erhielt Blankenstein die Genehmigung zum Bau der Chaussee Hattingen – Blankenstein – Steinenhaus, die 1865 dem Verkehr übergeben wurde und uns heute unter der Bezeichnung L 924 bekannt ist. Als Dank wurde Landrat Pilgrim ein hübsches Denkmal gesetzt. Durch Straßenbauarbeiten wechselte das Erinnerungsmal Form und Standort. Heute steht ein schlichter Gedenkstein in der Nähe des Platzes, der nach ihm benannt ist, auf der rechten Seite in Fahrtrichtung Hammertal.

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Blankenstein – das Ziel der Großstädter.
Durch die Chaussee fand das Städtchen endlich Anschluß an den Rest der Welt. Die enormen Schulden, die das Amt auf sich genommen hatte und die hohen Folgekosten für die Instandhaltung zahlten sich aus.
Grußpostkarte von Blankenstein um 1900Zwei Dinge waren in Bankenstein: sehenswert: einmal der Burgturm, den man besteigen und von dort eine herrliche Aussicht genießen konnte, zum andern der Gethmannsche Garten, eine von C. F. Gethmann angelegte Parkanlage, die allen Besuchern zum kostenlosen Besuch offen stand.

Nicht nur der Burgwirt, das ganze Städtchen profitierte von den vielen Ausflüglern, die zu Fuß oder mit Kutschen die bequem zu gehende und zu befahrende Chaussee nutzten. Der Bau der Eisenbahnstrecke 1874 brachte weitere Besucher. Zählte man 1865  17 Kleinhändler und 10 Gastwirte, stieg deren Zahl innerhalb von 10 Jahren auf 24 Einzelhandelsgeschäfte und 16 Wirtschaften an. Das heißt, rund um den Marktplatz, in der Burgstraße und der oberen Hauptstraße befand sich in jedem Haus ein Geschäft oder eine Gastwirtschaft. Modeaussstellung - Märkische Blätter 10.03.1866

Als Ausflugsziel erlangte Blankenstein mit seiner leistungsfähigen Gastronomie bei den Bewohnern der umliegenden Großstädte einen guten Ruf. Da die Geschäfte auch an Sonntagen geöffnet waren, konnte man hier in Ruhe seine Einkäufe tätigen, das Nützliche mit dem Angenehmen verbinden.

Gutes Wetter war damals wie heute Voraussetzung für eine große Gästeschar. Ein paar Zahlen mögen die Menge der Besucher veranschaulichen. Am 1. Pfingsttag 1896 wurden auf der Burg für ein Militärkonzert 2400 Karten, am 2. Feiertag über 3000 Karten verkauft. „Ebenso viele Besucher, wenn nicht gar noch mehr, hatte der Petringsche Garten (später Gasthaus „Zum Irrgarten“) aufzuweisen“, berichtet die Zeitung. Das „Hotel Wengeler“ (heute Teil des Stadtmuseums) und das Gasthaus „Zum Deutschen Kaiser“ (es stand damals etwa an der Stelle des heutigen „China-Palastes, Wittener Straße 8) konnten je 500 Gäste bewirten. 1906 brachte ein Extrazug mit 45 Wagen und zwei Lokomotiven 2000 Eisenbahner mit ihren Familien hierher. Wenn sich auch niemand die Mühe gemacht hatte, die sonntäglichen Ausflügler zu zählen, so läßt die Aussage, daß die Post im Jahr 1907 an einem Tag 4000 Ansichtskarten stempeln mußte, die Zahl der Gäste in etwa ahnen.

Marktplatz um 1916Die Blankensteiner hatten den Fremdenverkehr als Einkommensquelle entdeckt und pflegten ihre Kunden und Gäste mit großer Zuvorkommenheit. Als Aushilfen konnten sich Männer als Kellner und Frauen als Küchenhilfen oder Reinigungskräfte ein paar Mark verdienen. Für die Sauberkeit der Bürgersteige, der Straßen und Plätze waren allein die Bürger verantwortlich. Wann und wie oft gefegt werden mußte, war in einem Ortsstatut festgelegt, Drückeberger wurden zur Kasse gebeten.

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Stadtmarketing.
1906 gründete man auf Veranlassung des Amtmanns einen „Verschönerungsverein“, deren Mitglieder sich mit Ideen und tatkräftigem Einsatz um das Erscheinungsbild des Ortes kümmerten.
In dem Bestreben, den Tourismus anzukurbeln, rief das Amt Blankenstein im Herbst 1930 einen eigenen Verkehrsverein ins Leben, der mit dem schon vorhandenen Verkehrs- und Verschönerungsverein Hand in Hand arbeitete. Man beklagte allerdings die mangelnde (finanzielle) Unterstützung mancher Wirte und Geschäftsleute. Der Verkehrsverein ließ in den Zeitungen der umliegenden Großstädte durch Anzeigen für Blankenstein werben, durch den Verschönerungsverein bezogen die Bürger z.B. preiswerte Sommerblumen in den Stadtfarben - rote Geranien und weiße Petunien - für ihre Balkonkästen und Vorgärten. Die Blumenkübel auf städtischem Gelände und die Gitter an den Strommasten bepflanzte und pflegte der Verein auf eigene Kosten. So präsentierte sich die „Blumenstadt Blankenstein“, wie sie nun genannt wurde, auf besondere Weise. Die regelmäßigen Platzkonzerte der Feuerwehrkapelle an den Sonntagvormittagen zogen schon früh die Besucher ins Städtchen.

Der 1947 wieder ins Leben gerufene Verkehrs- und Verschönerungsverein versuchte mit bescheidenen Mitteln, den Fremdenverkehr erneut anzukurbeln. Vom 19. bis zum 26. Juni 1949 veranstaltete der Verein eine große Festwoche.
Ein „Samba-Express“ brachte im Oktober 1949  1000 Gäste vom Niederrhein ins Städtchen. Der Anfang war gemacht. Die Vorstandsmitglieder des Vereins nahmen Verbindung auf mit großen Firmen, um Betriebsausflüge nach Blankenstein anzuregen. Broschüren mit Fotos wurden bis in den Raum Dortmund/Unna verschickt. Heute würde man diese Aktivitäten als „Stadtmarketing“ bezeichnen. Die intensiven Bemühungen hatten Erfolg. Ab 1951 rollten regelmäßig Busse ins Städtchen, brachten Gäste aus den umliegenden Großstädten.

Am 5. Juli 1955 zog die „Heimat am Mittag“ die Bilanz des letzten Wochenendes: „Auffallend an diesem Wochenende war der starke Busverkehr, der schon um 8 Uhr morgens einsetzte. Es konnten im Laufe des Tages 52 Busse registriert werden, die eine durchschnittliche Platzzahl von 42 Personen hatten, so daß allein mit Autobussen an diesem Tage 2184 Besucher nach hier kamen. Daneben war auch der PKW Zustrom sehr stark.“

Der „Verkehrs- und Verschönerungsverein“ nannte sich ab 1951 „Verkehrs- und Heimatverein“ und machte damit die Absicht deutlich, sich neben der Werbung für das Städtchen auch mit der geschichtlichen Vergangenheit zu befassen. 1955 trennte man sich in Übereinkunft. Der „Verkehrsverein“ bemühte sich weiterhin um die Werbung, Mitglieder des jetzt eigenständigen „Heimatvereins“ boten den Besuchern u.a. Führungen durch die Stadt an oder hielten den versammelten Gästen nach beendeter Mahlzeit einen kurzen Vortrag über die Geschichte der Burg. Auch die Mitglieder der beiden Männergesangvereine stellten sich durch Liedvorträge in den Dienst des Fremdenverkehrs.

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Der Glanz verblaßt.
Mit Schließung der Burggaststätte begann der Rückgang des intensiven Besucherzustroms. Zudem änderte sich das Freizeitverhalten der Bürger. Man wählte fernere Ziele, fuhr ins Ausland, zuerst nach Holland, dann zog die Sonne Italiens die Reisenden magisch an. Und die Ansprüche stiegen: Flugreisen brachten nun die Urlauber an exotische Strände. Eine Gaststätte nach der anderen schloß ihre Türen, die Einzelhandelsgeschäfte ebenfalls. Gegen die großen Handelsketten und die dann folgenden Einkaufszentren konnten sie nicht konkurrieren.

Die Regeneration des Umfelds, die 1995 mit der Eröffnung der Ortskernumgehung der L 924 begann, mit der Errichtung der Museumsbauten und mit der Neugestaltung des Marktplatzbereiches bereits abgeschlsossen ist, und wie sie sich in der Bebauung der ehemaligen Grundstücke der Seilwerke Heinr. Puth abzeichnet, könnte die dazu notwendigen Bedingungen erfüllen. Seit 1992 gehört der Ortsteil Hattingen-Blankenstein der Arbeitsgemeinschaft Historische Ortskerne in Nordrhein-Westfalen an, die in ihren Veröffentlichungen für Blankenstein Werbung macht. Ein weiteres Licht ist am Horizont zu erblicken: Im Rahmen des „Ruhrtal-Projekts“ ist ein Pflege- und Entwicklungsplan für den Gethmannschen Garten eingeplant.

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Der Gethmannsche Garten.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts hatte eine neue Geisteshaltung - die Romantik - die Menschen erfaßt. Carl Friedrich Gethmann, Sohn einer alteingesessenen Familie, Tuchfabrikant, Gewerke und erfolgreicher Kaufmann, war ebenfalls von dieser Zeitströmung erfaßt. Er begann 1806 auf dem Hügel hinter seinem Wohnhaus, Hauptstraße 12, mit der Anlage eines großen Parks. Es war sein Ziel, einen Landschaftsgarten zu schaffen, ähnlich dem Pücklerschen Park in Muskau bei Kottbus. Der Besucher sollte über weite Flächen hinweg das Bild einer völlig natürlichen, aber gebändigten und veredelten Landschaft genießen.

heutiger Schneckengang Zwei künstlich angelegte Hügel am Anfang und Ende des breiten geraden Wegs auf dem Bergrücken dienten als Aussichtspunkte. Der dritte, „Belvedère“ genannt, wird von einem turmartigen Unterbau getragen. Er befindet sich am Nordhang des Parks. Von dort kann man seit der Rodung des unterhalb liegenden Waldes wieder einen herrlichen Blick ins Ruhrtal genießen. Die damalige Gartenanlage bot von fast jedem Standpunkt einen weiten Ausblick ins Tal und auf die umliegenden Hügel, da der hohe Baumbestand, den wir heute vorfinden, nicht vorhanden war.

Königsplatz um 1905Am 19. Oktober 1833 durfte Carl Friedrich Gethmann den damaligen Kronprinzen, den späteren König Friedrich Wilhelm IV. in seinem Hause begrüßen und durch den damals schon bekannten Garten führen. Als Anerkennung schickte dieser eine Bronzebüste seines Vaters, die auf dem „Königsplatz“ Aufstellung fand. Der Park stand allen Besuchern unentgeltlich offen. „So bleibt es doch unbestritten“, liest man im Juli 1868 in einem Artikel in „Märkische Blätter“, „daß der Gethmann´sche Garten vermittelst seiner herrlichen Höhenlage und der effectmachenden, sinnreich und geschmackvoll geordneten Flora den Naturliebhabern etwas ideell Paradiesisches bietet, wie es denselben an zweiter Stelle in Westphalen und Rheinland schwerlich dürfte geboten werden.“
1928 kam die Anlage in den Besitz des Amtes Blankenstein. Die damalige Schönheit des Gartens läßt sich heute nur noch erahnen.

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Die Kirmes.
Pfingst-Conzert -- Märkische Blätter v. 1875
1594 verlieh Johann Wilhelm von Kleve der Freiheit Blankenstein das Recht, drei Jahrmärkte abzuhalten. Im Laufe der Zeit gesellten sich zu den Händlern auch Gaukler, Schausteller und Musiker. Der eigentliche Warenhandel trat immer mehr in den Hintergrund. Aus dem Juni-Markt entwickelte sich die Pfingstkirmes, die im weiten Umkreis bekannt war und die Menschen magisch anzog. Alle Gaststätten, ob groß oder klein, boten den Kirmesbesuchern zusätzliche Unterhaltung mit ausgefallenen Musikdarbietungen und vor allem Tanz. Wachsfiguren-Cabinet  -- Märkische Blätter v. 1875






Es war für viele der Höhepunkt des Jahres, was das Vergnügen anbetraf. Einhergehend mit erheblichem Alkoholgenuß soll an diesen Tagen Jubel, Trubel, Heiterkeit geherrscht haben, was den evangelischen Prediger Glaser 1795 zu einer Beschwerde veranlaßte, die aber ohne Folgen blieb.
Die gegenwärtige Kirmes ist nur noch ein Schatten der Veranstaltung vor 50 oder 100 Jahren. Bei der Flut der Freizeitangebote, der Stadtfeste oder einer Cranger Kirmes kann Blankenstein verständlicher Weise nicht mehr mithalten.

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Das Roswitha-Denkmal
Roswitha-Gruppe heute
Beim Chausseebau 1863/65 war der Bergrücken - Honövel genannt - in Fahrbahnbreite mühsam abgetragen worden, um die Steigung der Straße auf ein erträgliches Maß zu reduzieren. (Heute: Ende der Hauptstraße kurz vor Einmündung in die Marxstraße) Die steil aufragenden Felsen rechts und links der Chaussee waren der Erosion ausgesetzt. Herabfallende Gesteinsbrocken brachten den 1914 aufgenommenen Straßenbahnverkehr, die Fuhrwerke und Passanten in Gefahr. Für die Anlage eines Bürgersteiges mußte der Berg um weitere vier Meter abgetragen werden. Zur Sicherung des Steilhangs ließ die Stadt 1925/26 die hohe Böschungsmauer errichten.

Im Mai 1926 nahmen die Stadtverordneten Verhandlungen mit dem Blankensteiner Kunststudenten Gustav Müller auf, eine Plastik für die Mauer am „Simonstor“ zu schaffen, damit sich der Ort bereits am Eingang den Besuchern angenehm präsentiere. Dieser erklärte sich bereit, ein solches Wahrzeichen zum Selbstkostenpreis von 1400 Mark zu erstellen. Der 21 Jahre alte Künstler wählte ein Motiv aus der Blankensteiner Roswitha-Sage: Ein Wanderbursche hebt gemeinsam mit der Bauerntochter Roswitha einen verwunschenen Schatz. Ein schwarzer Ziegenbock muß dafür dem Teufel geopfert werden. Am 23. April 1927 wurde das Kunstwerk in einer kleinen Feierstunde enthüllt.
 

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Die Roswitha-Sage.
Es war vor vielen hundert Jahren, da hat sich von Blankenstein aus ein junger Wanderbursche in den großen Wäldern der Umgebung tüchtig verirrt. Er war schließlich froh, als er bei einbrechender Nacht in Sturm und Regen zu einem einsamen Bauernhofe kam. Aber der hartherzige Bauer wies ihn ab. Es half auch nichts, daß sein Töchterlein, ein Mädchen von 12 Jahren, ein gutes Wort für den Fremden einlegt. Er mußte wieder in den Gewittersturm hinaus und kroch draußen in einen Heuschober.

Gegen Mitternacht wurde er durch einen lauten Donnerschlag geweckt und beobachtete mit Entsetzen, daß der Bauer draußen beim Schein einer Laterne eine Kiste vergrub. Allerlei Beschwörungen und Anrufungen des Teufels begleiteten die unheimliche Handlung. Er verstand daraus, nur wer dem Bösen zur Geisterstunde an dieser Stelle einen schwarzen Ziegenbock opfere, solle den Schatz heben können. Plötzlich ein Blitz, ein blaues Flämmchen über der Kiste - -  sinnlos vor Angst stürzte der Bursche fort und war schon über alle Berge, als die Sonne aufging.

Erst nach Jahren kam er nach Blankenstein zurück und wurde lebhaft an dieses Abenteuer erinnert, als der Zufall ihn eines Tages wieder an denselben Bauernhof führte. Der Bauer war längst gestorben und die Tochter zur Jungfrau herangewachsen. Weinend erzählte sie ihm, sie habe seit dem Tode des Vaters nichts als Unglück gehabt. Das Vieh sterbe ihr und alles gehe zurück. Auch sei es den Leuten unheimlich auf dem Hofe, und niemand wolle bei ihr bleiben.

Der Fremde kannte wohl den heimlichen Grund dieses Unglücks. Wer Geld vergräbt, der kann nicht zur Ruhe gelangen, sondern muß bei seinem Schatze umgehen, bis dieser gehoben wird. Er versprach, dem Mädchen zu helfen, wenn sie ihm alles verschaffen wolle, was er brauche. Sie ging darauf ein, und schon zur nächsten Mitternacht standen beide mit einem schwarzen Ziegenbock bereit. Das Tier wurde trotz heftigen Sträubens auf den Platz gestellt, wo der Schatz vergraben lag und war sogleich von unsichtbaren Händen in viele kleine Stücke zerrissen. So groß war die Wut des Teufels, daß er sich an Stelle der erhofften Seele mit einem schwarzen Bock begnügen mußte.

Die beiden konnten nun den Schatz ohne Mühe heben und wurden ein glückliches Paar. Der Bauernhof aber war seither von dem darauf lastenden Fluche befreit und wurde eins der schönsten Anwesen weit und breit.

Die Sage wurde entnommen:
„Alt-Blankenstein, ein Heimat und Festbuch.“
Herausgegeben zur 700-Jahr-Feier von Burg und Stadt Blankenstein an der Ruhr von Heinrich Wefelscheid und August Weiß.



Quellen:   Akten des Stadtarchivs Hattingen

“Blankenstein an der Ruhr”
Es war einmal eine kleine Stadt, Einzelhandel, Gastronomie u. Fremdenverkehr im 19. u. 20. JH
von Ellen und Karl-Heinz Breitenbach, ersch. 2001 im Selbstverlag

Anzeigen: Märkische Blätter 1866, 1875/76,   Hattinger Zeitung 1884

Fotos, Postkarten und Bilder:
Ellen Breitenbach, Peter Grote, Dr Jürgen Henrich Gethmann, Brigitte Schlienz, Hans-Dieter Pöppe,
Karl Sandmann

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